Im Westen wird die
Sinaihalbinsel
durch den 1869 eingeweihten Suezkanal begrenzt, im Norden
durch das
Mittelmeer, im Nordosten durch die Grenze nach Israel. Der
Suezkanal
trennt Afrika von Asien. Der Südsinai, der die Form eines
Dreiecks hat,
wird auf 960 km Länge von den zwei Armen des Roten Meeres
umspült. Den
westlichen Arm nennt man den "Golf von Suez", den östlichen
"Golf von
Aqaba", bzw. "Golf von
Eilat".
Die maximale
Ost-West-Ausdehnung
des Landes beträgt etwa 200 km, die maximale
Süd-Nord-Ausdehnung 400
km. Insgesamt erstreckt sich die Halbinsel über ca. 61.000
km2. (Das
heißt, Bayern ist von der Fläche her gesehen etwas größer als
der Sinai.)
Vom Katharinenberg aus,
dem höchsten
Punkt im Sinai, dessen Höhe meist mit 2.642 Metern angegeben
wird, stürzt
sich das Land an der Ostküste 1.800 Meter weit in die Tiefe
unter den
Meeresspiegel. Der tiefste Punkt des Roten Meeres liegt 2.600
Meter
unter dem Meeresspiegel. Damit hat es folgende
Bewandtnis:
Vor 20 Millionen Jahren,
also im
Tertiär, entstand durch das Auseinanderdriften von
afrikanischer und
arabischer Platte der sog. Syrisch-ostafrikanische
Grabenbruch. Die
Länder driften heute noch mit einer Geschwindigkeit von
wenigen Millimetern
pro Jahr auseinander. Der Grabenbruch verläuft vom Jordantal
über das
Tote Meer bis nach Ostafrika. Dort kann man seinem Verlauf
bis hinunter
zum Sambesifluß nachspüren. Entlang des Bruches, der
insgesamt über
6000 km lang ist, sind bis heute Vulkane tätig.
Bewohnt wird der Sinai
vor allem
von Beduinen, die etwa 20 Stämmen zugehören und von
nicht-beduinischen
Ägyptern. Die Zahl Ersterer wird mit etwa 50.000 Personen
angegeben.
Nicht-beduinische Ägypter zieht es auf der Suche nach Arbeit
in den
Sinai seit der Tourismus dort so boomt. Es gab einen Plan der
ägyptischen
Regierung, der vorsah, fünf Millionen Leute vom Niltal in der
Sinai
umzusiedeln. Dieser wurde jedoch nicht in vollem Maße
umgesetzt.
Im Folgenden widmen wir
uns den
großen Hauptzonen des Sinai.
Der
Nordsinai
Der Nordrand des Sinai
wird vom
Mittelmeer umspült. Man rechnet dem Nordsinai das Gebiet zu,
das sich
von der Küste bis zu der Linie Suez-Eilat erstreckt. Der
Norden dieses
Teils ist mit Dünen bedeckt, die vorwiegend durch Flugsand
gebildet
werden und hat 100-150 mm durchschnittlichen
Jahresniederschlag.
Daß dennoch
Landwirtschaft möglich
ist, hängt mit unterirdischen Wasservorkommen zusammen. Durch
die Neigung
des Kalksteintafellandes At-Tih (s.u.) fließt Grundwasser aus
dem Landesinneren
in die Küstenregion. Zusätzlich befinden sich noch große
Mengen fossilen
Grundwassers unter der Erde, das aus dem Pluvial stammt,
einer Art Eiszeit
der Subtropen, die im Pleistozän viel Niederschlag brachte.
Der natürliche
Pflanzenwuchs des Nordsinai wird der saharo-arabsichen
Vegetationszone
zugerechnet.
Südlich des Dünenlandes
besteht
der Grund des Nordsinai aus mesozoischen Faltenketten und
Kalktafeln.
At-Tih
Die Tih-Region ist
äußerst trocken
(bis zu 50 mm Jahresniederschlag) und vegetationsarm. Sie
wird durch
Kalk, Kalksandstein und Kreide gebildet. Üppige Vorkommen von
Feuerstein
ermöglichten dort steinzeitlichen Kulturen die Herstellung
von Werkzeug.
Das sog. Tih-Plateau ist
sozusagen
eine schief liegende Ebene, die sich nach Süden hin erhebt
und dort
in einer bis zu 700 Meter hohen Kante abfällt, welche zu Fuß
schier
unüberwindlich ist. Schon in der Eiszeit floß das Wasser von
dort über
die Täler nach Norden hin ab. Das Wadi Al-Arisch bildet unter
ihnen
das breiteste und am weitesten verzweigte.
Am Rande des Tih wurden
schon vor
tausenden von Jahren Kupfer, Malachit und Türkis abgebaut. In
unseren
Tagen baute man dort Mangan ab.
Die Tih-Wüste umfaßt
mehr als die
Hälfte der Landfläche des Sinai.
Das Hochgebirge
Das Hochgebirge
befindet sich ziemlich genau im Zentrum des südlichen Sinai,
sein höchster
Berg ist der Katharinenberg (2.642 m), sein berühmtester
der Mosesberg
(ca. 2.285 m), welcher als Berg der mosaischen Gesetzgebung
(Die zehn
Gebote) gilt. Im Gebirge beträgt die jahresdurchschnittliche
Niederschlagsmenge
150-200 mm, im Winter durchaus auch in Form von
Schnee.
Die Flora der
Gebirgsregion ist
einzigartig. Man rechnet sie der saharo-arabischen und
sudanischen Zone
zu, ein Teil des Pflanzenwuchses fällt in die Kategorie
irano-turanisch.
Über 400 Pflanzenspezien gibt es in der Region, ein Teil
davon kommt
außer im Sinai sonst nirgends auf der Erde vor. Die
Wasservorkommen
ermöglichen es den Bergbewohnern, Gartenbau zu
betreiben.
Die Berge bestehen v.a.
aus Granit
in verschiedenen Rot-Schattierungen, in den Ausläufern der
Berge auch
aus Gneis mit schwarzem Porphyr, der die oberen Kanten der
Hügel bänderförmig
ziert. Dies verweist auf die ehemalige vulkanische Tätigkeit
der Region.
Seit 1988 steht das gesamte Gebiet rund um das Katharinenkloster und den Mosesberg
unter Naturschutz, insgesamt 4300 km2.
Der
Südwesten
Vom Gebirge aus Richtung
Westen
fällt das Land ab und läuft in einer breiten, sandigen
Küstenebene aus.
Die Gegend ist etwas weniger spektakulär als der Osten. An der
Küste
gibt es mehrere Schwefelquellen, die bekannteste unter ihnen
das sog.
Hammam Faraun - das Bad des Pharao. Direkt am Meeresufer
befinden sich
dort Höhlen, die mit ihrer heißen, schwefelhaltigen Luft eine
Art Sauna
bilden, die schon seit jeher von Menschen genutzt wird, um
rheumatische
Beschwerden zu heilen.
Die größte Oase des
Sinai, Feran,
liegt an der Straße St. Katherine - Abu Rudeis etwa auf
halber Strecke.
Ein Meer von Palmen zieht sich zu beiden Seiten den Weg
entlang, jedoch
trocknen sie mehr und mehr aus und beginnen, abzusterben. Der
Grundwasserspiegel
ist in den letzten Jahren nämlich drastisch
gesunken.
Nordöstlich der Küstenstadt Abu Zenima befindet sich inmitten einer
grandiosen Landschaft
der altägyptische Tempel von Serabit el-Khadim.
An der Westküste findet man weniger internationalen als
vielmehr einheimischen Tourismus. Dort, im Golf von Suez wird ein beträchtlicher Teil des ägyptischen Erdöls gefördert.

Der
Südosten
Das Gebirge fällt nach
Westen hin
weniger steil ab, als nach Osten. Zum Teil reichen die
Granitberge dort
bis direkt ans Meer. Ansonsten ist der Südosten von Sandstein
geprägt.
Der Sandstein bildet dort bizarre Formen, einzelne markante
Berge mit
engen, tiefen Schluchten. An den von der Erosion freigelegten
Oberflächen
sind häufig regelrechte Farbgemälde zu sehen: In allen Rot-,
Orange-,
Rosa-, Gelb- und Brauntönen hat die Natur feine Muster
gemalt. Diese
Sandsteinlandschaften mit ihrer Farbenpracht geben dem
Südsinai seinen
eigenen unverwechselbaren Reiz.

Die Pflanzenwelt ist von
Akazienbäumen,
Ginster, und Kapernbüschen geprägt. In vereinzelten, kleinen
Oasen wachsen
Palmen und eine Vielzahl anderer Bäume.
Die
Küstenstädte Nuweba, Dahab
und Sharm El-Sheikh sind stark vom Tourismus geprägt. Genau
genommen
sind sie aus diesem Grund entstanden, denn noch bis in die
50er Jahre
gab es an diesen Orten so gut wie keine Häuser. Mit der
Entdeckung der
Korallenriffe der Ostküste, die zu den schönsten auf der Erde
zählen,
begann der bis heute anhaltende Bauboom in den Städten, aber
auch an
den Stränden zwischen den Städten. Es heißt, die gesamte Ostküste
sei (bis auf die Regionen der Naturparks) bereits an Investoren verkauft, die dort
Hotelanlagen errichten.