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Frühgeschichte
Archäologen sagen, daß
schon vor
über 9000 Jahren menschliche Siedlungen im Sinai entstanden
seien.

Etwa im 6. Jahrtausend
v. Chr.
lebten wohl Völker aus dem Osten und Norden im Sinai. Man hat
aus dieser
Zeit Gräber und Kultstätten, sowie Felsbilder gefunden. Die
Leute lebten
vorwiegend von der Jagd. Außerdem spielte der Feuerstein eine
wichtige
Rolle und es gab vermutlich Steinindustrie und
-handel.
Etwa um das 5.
Jahrtausend begannen
sie mit Viehhaltung (Rinder). Der Sinai soll damals
wesentlich fruchtbarer
gewesen sein als heute.
Die von Archäologen als
"Elat-Kultur"
bezeichnete Periode (4.500 - ca. 3.500) war durch Kupferabbau
und -verarbeitung
geprägt. Die Menschen jener Zeit betrieben Jagd und
Viehzucht.
In der folgenden, als
"Timna-Kultur"
bezeichneten Epoche (bis 2.500 v.Chr.), bauten die Menschen
Kupfer und
Türkis ab und betrieben Jagd, Viehzucht und Fischfang.
Außerdem trieben
sie Handel mit Ägypten. Der Südsinai war vermutlich relativ
dicht besiedelt.
Zu jener Zeit kamen auch ägyptische Expeditionen in den
Sinai, um dort
Türkis abzubauen. In Maghara ( nicht allzu weit von der Oase
Feran)
kann man heute noch ihre Bergwerke sehen.
Die Nawamis, die man
u.a. in der
Nähe von Ein Khudra bewundern kann, stammen nach Meinung der
Archäologen
etwa aus der Zeit um 3.000 v.Chr. Nawamis sind Grabbauten von
der Form
eines Bienenkorbes und dienten vermutlich der
Zweitbestattung. Sie sind
bis zu 2,5 Meter hoch und bestehen aus einer runden
Doppelmauer, die
aus flachen Steinen gelegt und oben mit einer großen
Dachplatte abgedeckt
ist.
Die Beduinen bezeichnen
diese Bauten
als Namusiye (Plural: Nawamis), weil sie glauben, die Kinder
Israel
hätten dort vor Mückenschwärmen Zuflucht gesucht, das
arabische Wort
namus heißt "Moskito". Eine andere Geschichte besagt, die
Israeliten
hätten sich an den Wachteln, die Gott ihnen geschickt hat, zu
Tode gegessen
und wären daraufhin in den Nawamis bestattet
worden.
Zwischen 2.000 und 1.500
v.Chr.
verlagerte sich der Türkisabbau der Ägypter wahrscheinlich
nach Serabit
al-Khadim. Dort kann man heute noch einige Spuren entdecken,
vor allem
stehen in Serabit auch die Reste eines altägyptischen
Tempels. Er ist
ca. 4000 Jahre alt und wurde der Göttin Hathor
geweiht.
Schenkt man der Bibel
Glauben,
so muß es auch etwa um diese Zeit gewesen sein, daß Abraham
aus Mesopotamien
nach Kanaan kam.
Historisch oder nicht -
die Abrahamgeschichte
hat bis heute schwerwiegende Auswirkungen auf die gesamte
Situation
im Sinai und im benachbarten Israel. Christen, Juden und
Muslime sehen
in ihm eine wichtige Vorbildfigur. Sie glauben, daß er
strenger Monotheist
war, also nur einen Gott verehrte und daß sein Bund mit Gott
bis heute
gültig ist.
Ein besonderes Phänomen
des Sinai
ist die sog. "protosinaitische Schrift", die um 1500 v.Chr.
benutzt
wurde. Sie ist so etwas wie die Vorstufe zur Alphabetschrift
und entstand
aus der Hieroglyphenschrift. Aus ihr leitete sich die
phönizische und
in der Folge daraus die hebräische, aramäische und
schließlich griechische
Schrift ab. Diese Umwandlung einer Zeichen- in eine
Buchstabenschrift
nennt man übrigens Akrophonie.
Um 1.300 v.Chr. soll
Moses geboren
worden sein. Moses ist der Prophet, der den Sinai so berühmt
machte,
denn er ist es, der gemäß biblischer Überlieferung oben auf
einem hohen
Berg die Tafeln empfangen hat, auf denen die 10 Gebote
geschrieben standen.
Unter seiner Führung zogen, gemäß Bibel, die Israeliten - von
Ägypten
kommend - 40 Jahre lang durch die Wüste.
In den Jahrhunderten vor
Christus
gab es im Nahen Osten ein Handelsimperium von gewaltigen
Ausmaßen: Die
Nabatäer. Auch sie sollen im Sinai Kupfer abgebaut haben.
Außerdem waren
sie hervorragende Gartenbauer. Sie handelten mit Weihrauch
und Myrrhe
aus Südarabien, mit seltenen Hölzern aus Afrika, Perlen aus
dem persischen
Golf, Gewürzen und Edelsteinen aus Indien und Ceylon usw. Im
2. Jh.
v.Chr. beherrschten sie ihr riesiges Reich von Petra (im
heutigen Jordanien)
aus.
Fast überall im Sinai
kann man
nabatäische Inschriften entdecken - die Nabatäer hatten eine
eigene
Schrift, benutzten aber auch aramäische Zeichen.
Für die alten Römer -
die schließlich
auch für den Untergang des nabatäischen Handelsreiches
sorgten - war
der Sinai, den sie 106 n.Chr. ihrer Verwaltung unterstellten,
in erster
Linie Durchzugsgebiet.
Ab dem vierten
Jahrhundert n.Chr.
beginnt die Geschichte des christlichen Sinai. Einzelne
Mönche, die
sich später zu Orden zusammenschlossen, zogen sich in die
Wüste zurück,
einerseits zu besinnlichen Zwecken, andererseits aber auch,
um an den
Orten zu sein, wo der Prophet Moses gewirkt haben soll, also
vor allem
auch dort, wo heute das Katharinenkloster steht.
Der Brennende Dornbusch
ist das
zentrale Symbol in dieser Geschichte. Er steht für das
Gespräch zwischen
Gott und Mensch. Die Mönche des Klosters zeigen heute den
Besuchern
einen Busch, der eben jener Brennende Dornbusch sein soll,
aus dem heraus,
nach ihrem Glauben, Gott zu Moses sprach. (Es handelt sich um
den rubus
sanctus, einen Brombeerbusch).
Historiker gehen davon
aus, daß
den Mönchen durch die im Sinai wohnenden Menschen nicht nur
ihre Besinnung
erschwert wurde, sondern daß auch ihr Leben immer wieder in
Gefahr geriet.
Ganze Scharen von Brüdern sollen abgeschlachtet worden sein.
Dieser
Umstand wird als Grund für den Bau des Klosters im 6.
Jahrhundert n.Chr.
angegeben. Die Anlage stand also schon, als sich, aus Arabien
kommend,
die Lehre des Propheten Muhammad verbreitete: der
Islam.
Das Kloster steht bis
auf den heutigen
Tag und - was in der Christenheit einmalig ist - befindet
sich seit
damals ununterbrochen in Betrieb.
Der Ort des Brennenden
Dornbusches
und das Kloster wurden zu einem wichtigen Ziel für Pilger.
All die Jahrhunderte
hindurch, bis heute, begaben sich Einzelne oder Gruppen auf
die Reise
durch die Wüste, eine Reise, die bis in die 60er Jahre des
20. Jahrhunderts
hinein recht mühsam und beschwerlich - und gewiß sehr
wundersam war.
Wie Felix Faber es in dem Titel seines Reiseberichtes
schreibt:
Eigentliche Beschreibung
der hin
und wider farth zu dem Heyligen Landt gen Jerusalem und
furter durch
die grosse Wuesteney zu dem Heiligen Berge Horeb Sinay /
darauß zuuernemen
was wunders die Pilgrin hin und wider auff Land und Wasser zu
erfahren
und zu besehen haben / Uber die maß kurzweilig und lustig zu
lesen /
sonderlich denen so der Heiligen Schrifft ettwas erfahren
sein / Vormals
im druck nie dergleichen außgangen, (1556)
Heidelberg
Neue
Geschichte
Der Sinai diente vielen
Eroberern,
Händlern und Pilgern in erster Linie als Durchzugsgebiet.
Mekkapilger
durchquerten ihn auf der Linie Suez - Taba, die Kreuzritter
durchzogen
ihn im 11. und 12. Jahrhundert fünfmal, nach ihnen kamen die
Türken
und Ende des 18. Jahrhunderts schließlich Napoleon Bonaparte.
Seine
Leute begannen mit der Planung eines Kanals, der das
Mittelmeer mit
dem Roten Meer und damit dem indischen Ozean verbinden
sollte, verrechneten
sich aber bei den Messungen und ließen das Projekt wieder
fallen. Erst
viel später konnte der Suezkanal gebaut und schließlich im
Jahre 1869
eröffnet werden.
Im 19. Jh war der Sinai
offiziell
Teil des osmanischen Reiches, der Einfluß der Briten aber war
enorm.
1914 wurde Ägypten
(incl. Sinai)
englisches Protektorat, 1922 wurde es
teilunabhängig.
1948 riefen die
Zionisten im Nachbarland
den Staat Israel aus. Er wurde sofort von seinen
Nachbarstaaten, unter
ihnen Ägypten, angegriffen. 1949 kam es zum Waffenstillstand
zwischen
Ägypten und Israel.
1956 brach die sog.
Suezkrise aus.
Vor allem Großbritannien und Frankreich protestierten damals
gegen die
Verstaatlichung der Suezkanalgesellschaft durch Ägypten.
Israel marschierte
in den Sinai ein und konnte von Ägypten nicht zurückgedrängt
werden.
1967 besetzte Israel im
Rahmen
des sog. Sechstagekrieges die gesamte Sinaihalbinsel, die
syrischen
Golanhöhen und die jordanische Westbank.
Die Rückgabe des Sinai
durch Israel
sollte im Austausch gegen ein ägyptisches Friedensangebot
stattfinden,
was schließlich unter den Präsidenten Sadat und Begin
Wirklichkeit wurde.
1982 wurde der Sinai
gänzlich an
Ägypten zurückgegeben. Damit lief das Mandat der UNO aus, die
den israelischen
Truppenabzug überwacht hatte. An ihrer Stelle wurde
schließlich die
MFO (Multinational Force and Observers) eingesetzt. Sie wird
von den
USA, Kanada, Australien, Frankreich, Italien und einigen
weiteren Staaten
unterstützt. Die MFO sind bis heute im Sinai
stationiert.
Die Zeit während der
israelischen
Besatzung führte im Sinai zu massiven Veränderungen. Straßen,
Flughäfen,
Schulen und Krankenhäuser wurden gebaut. Zionistische Siedler
errichteten
landwirtschaftliche Siedlungen.
Mit der israelischen
Besatzung
begann im Sinai das Zeitalter des Massentourismus. Die
Tauchgründe,
vor allem an der Ostküste wurden entdeckt und man begann mit
ihrer Vermarktung.
Investoren begannen, Küstenland aufzukaufen und Hotels zu
bauen.

Heute wird der Sinai
sehr stark
von israelischen Touristen besucht (etwa 250.000 pro Jahr).
Der Grenzübergang
ist für Israelis mehr und mehr erleichtert worden.
Für die Beduinen brachte
die israelische
Besatzung viele Nachteile, aber - so sagen sie selbst - noch
mehr Vorteile.
So werden beispielsweise die israelischen Mediziner bis heute
von den
Beduinen gelobt. Auch der moderne Tourismus, der mit den
Israelis begann,
wird von den Beduinen meist positiv beurteilt, weil er eine
wichtige
Erwerbsmöglichkeit bietet.
Die Beduinen des Sinai
sind weit
weniger staatlichen Seßhaftmachungsprojekten ausgesetzt als
ihre Kollegen
in den Nachbarländern. Man könnte eher von Seßhaftwerdung
sprechen,
da die Beduinen aus eigenem Willen (bzw. ökonomischem Druck)
in feste
Häuser ziehen. Weiterhin jedoch bleiben die Beduinen sehr
flexibel und
mobil - und sie schwärmen vom ruhigen Leben in der Wüste. (Worte)
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