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Land und Leute des "Morgenlandes" wie sie von Abendland gesehen und erfunden werden: Stadt - Dorf - Wüste und darüber hinaus...

"Seit Europäer den Orient bereist und in ihrer Heimat davon erzählt haben, kursieren hier - bis heute - die absonderlichsten Vorstellungen von dieser fremden, geheimnisvollen Welt. Der Orient wurde im sog. Westen zum Inbegriff für blutrünstigen Schrecken einerseits und Vorstellungen vom süßen Paradies auf Erden andererseits. Im Kapitel Orientträume widmen wir uns dieser Thematik.

"Naher Osten" oder "Mittlerer Osten" sind Begriffe, die von Europäern stammen. Sie sind moderne Vokabeln für die bis in die Kolonialzeit üblichen Bezeichnungen Morgenland oder Orient. Man faßt in europäischen Sprachen unter diese Worte viele verschiedene Länder und Gesellschaftsformen zusammen, die niemals eine echte Einheit bilden können. Gemeinsam ist ihnen jedoch, daß sich dort der Islam ausgebreitet hat und sie stark davon geprägt sind. Fast in der gesamten Region wird arabisch gesprochen. Die Namensgebungen verweisen also auf Gesellschaften und verschleiern deren soziale Beschaffenheit gleichzeitig hinter geographischen Überbegriffen. Die Auseinandersetzung mit dem "Mittleren Osten" wird in den Wissenschaften vor allem von Geographen und Islamkundlern als Wortführern bestritten, daher wundert es nicht, daß dessen Darstellung sich an folgendem Strickmuster orientiert: Die Landschaft oder die Siedlungsform wird als Aufhänger für die Darstellung der Menschen eingesetzt, deren soziales Leben dann als vom Klima vorherbestimmt erscheint. Damit wird die soziale Dimension und deren kulturelle Eigendynamik unter den Orientteppich gekehrt. Dennoch soll dieses europäische Erzählungsgenre über den "Mittleren Osten" hier vorgestellt werden.

Eine andere Darstellung des "Mittleren Osten" finden Sie im Munüpunkt Ethnologie, insbesondere im Unterpunkt Stamm statt Staat.

Unter die Gebiete des Mittleren Ostens zählt man in den Wissenschaften ganz Nordafrika von Marokko bis Ägypten, die gesamte arabische Halbinsel und die daran nördlich angrenzenden Länder bis hin zur Türkei, sowie den Iran und Afghanistan. Manchmal wird Pakistan noch dazugezählt - man merkt: der Begriff ist recht schwammig und versucht, Gesellschaftsformen zusammenzufassen, die völlig unterschiedlich sind. Der "Nahe Osten" meint im Mediendeutsch explizit Israel und seine Nachbarstaaten und ging vor allem als "Nahost-Konflikt" in unser Vokabular ein.

Zwar sind die arabische Sprache und die islamische Religion prägend für den gesamten Mittleren Osten, es existieren dort aber große Gruppen von Christen unterschiedlicher Konfessionen, Juden und unzählige weitere Religionen. Auch wird dort eine Vielzahl von Sprachen gesprochen. Gerne bezeichnet man die Region daher auch als Mosaik. Die meisten Muslime, auch wenn ihre Muttersprache z.B. türkisch oder persisch ist, beherrschen das Arabische aufgrund ihrer Kenntnis des Koran, der ja von jedem Muslim im Original gelesen und verstanden werden soll und nach Meinung vieler Muslime überhaupt nicht übersetzt werden könnte und dürfte.

Seit Europäer den Orient bereist und in ihrer Heimat davon erzählt haben, kursieren hier die absonderlichsten Vorstellungen von dieser fremden, geheimnisvollen Welt. Der Orient wurde im sog. Westen zum Inbegriff für blutrünstigen Schrecken einerseits und Vorstellungen von süßen Paradiesen auf Erden andererseits. Im Kapitel Orientträume widmen wir uns dieser Thematik.

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Der Mittlere Osten wird von den Orientalisten gern in drei Bereiche geteilt: Die Städte, die Dörfer und die Wüsten. Die Städte konzentrieren sich vorwiegend an Meeresküsten und an Flüssen. Die Wüsten und Halbwüsten, die den größten Teil des Mittleren Ostens ausmachen und von nomadischen Gruppen bewohnt werden, bilden aus Perspektive der Städter sozusagen das Hinterland. Ihre Bewohner strebten und streben oft danach, sich staatlichen Annäherungsversuchen zu entziehen (z.B. Tuareg und Beduinen). Die Kultur und Sozialstruktur der Städter ist anders als die der Menschen in den Dörfern und beide sind anders als die der Nomaden. Das hängt mit ihrer unterschiedlichen Wohn-, Wirtschafts- und Lebensweise zusammen. Sogenannte Kulturökologen machen dafür das Klima verantwortlich. (s. Ethnologie) Was den städtischen, ländlichen und nomadischen Gemeinschaften gemeinsam ist: Die Familie bildet das Zentrum der Gemeinschaft und prägt das Leben jedes Einzelnen zutiefst. Auf vielen Ebenen sind Stadt-, Land- und Wüstenbevölkerung miteinander verknüpft und voneinander abhängig.

In den Städten dominiert der Handel. Im Herzen jeder orientalischen Stadt, gleich bei der großen Freitagsmoschee liegt der Basar. Traditionelle Märkte sind meist überdacht und ihre Tore werden nachts geschlossen. In den Basarstraßen befinden sich meist keine Wohnhäuser, sondern vorwiegend Geschäfte und Werkstätten. Diese sind allerdings häufig Eigentum einer kleinen Zahl von Geldleihern, Fernhändlern und Mitgliedern der Herrscherfamilie. Ihnen gehört ein Großteil der Produktionsmittel, sie stellen Arbeitsgerät und Rohmaterial. Man könnte diese reichen Familien als eine Art Adel bezeichnen, allerdings mit dem schwerwiegenden Unterschied, daß es jedermann möglich ist, in diese Schicht Zugang zu finden. Die Stadt ist auch Sitz der Regierenden. In den Städten befinden sich viele Moscheen, Schulen, Bäder, Krankenhäuser usw. Die städtischen Wohnviertel sind oft nach Religionen oder Herkunft ihrer Bewohner getrennt. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die Altstadt von Jerusalem, wo bis heute Juden, Christen, Armenier und Muslime je eigene Viertel bewohnen. Allerdings sind moderne Stadtteile stark von westlichen Architekturkonzepten geprägt.

Das ländliche Leben ist von Landwirtschaft, Viehhaltung und Handwerk geprägt. Leben auf dem Land heißt Leben im Dorf, denn einzelnstehende Gehöfte findet man im Orient kaum. Wenngleich Nachbarschaft beim Zusammenleben der Menschen eine wichtige Rolle spielt, so sind es doch Familien und Familienverbände, die das ländliche Sozialleben bestimmen. Die meisten Dörfer sind eher klein und haben oft nur eine Moschee und wenige Geschäfte. Im Zentrum der Dorfes befindet sich üblicherweise ein Versammlungs- und Gästehaus. Ländliche Regionen finden in staatlicher Planung häufig wenig Beachtung und viele Dorfbewohner leben bis heute in großer Armut. Viele von ihnen ziehen daher in die Städte oder in Nachbarländer um.

Die nomadischen Gruppen der Wüste bilden eigene Gemeinschaften, die bis in unsere Tage in erster Linie (aber nicht nur) von Viehzucht lebten und es zum Teil heute noch tun. Sie hatten immer schon vielfältige Beziehungen mit den Leuten aus Stadt und Dorf. Innerhalb ihres Stammessystems verbindet die Menschen große Solidarität. Die einzelnen Stämme bewohnen und nutzen meist ein bestimmtes Stammesgebiet, auf dem sie dann gewisse Privilegien haben. Andere dürfen es aber im Normalfall auch mitbenutzen und durchqueren. Schwächere Stämme stellen sich oft unter den Schutz eines stärkeren Stammes. Wegen ihrer Mobilität und Flexibilität und wegen ihrer Weigerung, Steuern zu zahlen und beim Militär zu dienen, waren und sind Nomaden den Staaten oft ein Dorn im Auge. Daher versuchen Staaten, "ihre" Nomaden anzusiedeln und in Staatsbürger zu transformieren. Die Seßhaftmachung hat für Nomaden verschiedene Vor- und Nachteile (Nomaden).

Eine andere Darstellung der Thematik finden Sie im Menüpunkt Stamm statt Staat.

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